1. Die Anfänge der ECE
Sorglos bauen und sich aufs eigentliche Kerngeschäft konzentrieren – das hat sich Werner Otto beim rasanten Aufbau des Otto-Versandes in den 50er und frühen 60er Jahren immer gewünscht. Die Realität sah allerdings anders aus. Fast jedes seiner Bauprojekte sei damals mit viel Ärger verbunden gewesen. Also machte Werner Otto aus der Not eine Tugend und gründete 1965 in Hamburg eine eigene Immobilienfirma, die zunächst „Werner Otto Vermögensverwaltung G.m.b.H.“ hieß. Daraus entwickelte sich über die „Werner Otto Grundstücks-Entwicklung G.m.b.H.“ schließlich die „KG Einkaufs-Center Entwicklung mbH“ – kurz ECE genannt. Weil sich das Unternehmen aber nicht nur um Einkaufs-Center kümmerte, sondern vermehrt auch um andere Gewerbeimmobilien wie zum Beispiel Bürohäuser oder Warenverteilzentren, wurde der Name 1979 noch einmal geändert: in „ECE Projektmanagement“. Das Kürzel ECE hat sich in der Branche längst zum Markenzeichen entwickelt.
Gemeinschaftswarenhäuser
Mit einer Hand voll guter Leute ging es 1965 mit Geschick und Mut beherzt ans Werk. In jenen Jahren gab es in Deutschland so genannte Gemeinschaftswarenhäuser. Dabei handelte es sich um flache, schmucklose Gebäude, die zumeist auf der „grünen Wiese“ angesiedelt waren und über große Parkplätze verfügten. Auch die Werner Otto Vermögensverwaltung betrieb bald drei solcher Gemeinschaftswarenhäuser.
Die Idee war, alle Einkäufe unter einem Dach zu erledigen. Dieses Konzept hatte allerdings einen gravierenden Nachteil: Alle Geschäfte waren ohne eigene Namensnennung gemeinsam auf einer Fläche untergebracht – wie Abteilungen in einem Warenhaus ohne Trennwände. Alle Einzelhändler warben und traten unter einem Namen auf. Besonders eifrige Einzelhändler arbeiteten neben weniger einsatzfreudigen Kollegen. Das hatte zur Folge, dass erstklassige Geschäftsleute in diesem Umfeld nicht als Mieter zu gewinnen waren. Der wirklich hervorragende Einzelhändler will sich durch Leistung und Know-how von der breiten Masse abheben. Für Werner Otto war daher schnell klar, dass Gemeinschaftswarenhäuser keine Zukunft haben würden.
Shopping-Center nach nordamerikanischem Vorbild
In den USA und Kanada hatte Otto die ersten Shopping-Center gesehen: „Was mich beeindruckte, war die kundenfreundliche Vielfalt der Läden in den Einkaufs-Centern. Es reizte mich, so etwas auch in Deutschland zu erstellen.“ Doch Werner Otto kopierte nicht bloß die amerikanischen Vorbilder. Amerikanische Größenordnungen sowie die Mentalität der Kunden waren auf Deutschland nicht ohne weiteres übertragbar. Voraussetzung für den Erfolg waren von Anfang an 1a-Standorte, ein gutes Team und die richtige Einstellung zum Kunden. So sollte jeder Kunde möglichst jeden Artikel, den er mindestens einmal im Jahr kaufen wollte, im Center vorfinden. Und das mindestens in zwei verschiedenen Geschäften, um so die Konkurrenz zu gewährleisten. Die Möglichkeit, unabhängig vom Wetter in einer attraktiven und überdachten Mall einkaufen zu können, bot zusätzlich völlig neue Reize. Dieses Konzept ging auf, denn hier wurde Einkaufen plötzlich zum Erlebnis, war keine reine Bedarfsdeckung mehr. Den Menschen machte Einkaufen Freude.
Das erste Center der ECE
Am 23. Oktober 1969 eröffnete in Nürnberg-Langwasser mit dem Franken-Zentrum das erste ECE-Shopping-Center. Jeder Einzelhändler hatte seinen eigenen Ladeneingang, sein individuelles Schaufenster und firmierte unter seinem Namen. Dadurch hob er sich von den anderen ab, war unabhängig und konnte seine eigene Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Das spornte an. War die Leistung schlecht, schlug das auf ihn selbst zurück, zog aber nicht unmittelbar das ganze Center in Mitleidenschaft. Bei der Vermietung wurde auch damals schon auf einen ausgewogenen Branchenmix geachtet, bei dem die ECE sowohl überregionale als auch regionale Einzelhändler berücksichtigte. Das Franken-Center zählt auch heute noch, nach Erweiterungs- und Optimierungsmaßnahmen, zu den erfolgreichsten Centern in ganz Deutschland.
Der ersten ECE-Center-Entwicklung in Nürnberg folgten das Alstertal-Einkaufszentrum in Hamburg-Poppenbüttel (1970), das Hessen-Center in Frankfurt-Bergen-Enkheim (1971), das Rhein-Center in Köln-Weiden (1972), das Roland-Center in Bremen-Huchting (1972), das Leo-Center in Leonberg (1973) und das Allee-Center in Essen-Altenessen (1973). Auch sie wurden in den Folgejahren den wachsenden Kundenwünschen entsprechend immer wieder vergrößert und modernisiert und befinden sich auch heute noch alle im Management der ECE.