ECE-Retail-Newsletter, Dezember 2017

„Vermietungsgespräch in Flip-Flops“

Interview mit dem langjährigen ECE-Vermietungschef Klaus Striebich über skurrile Kunden, klobige Mobiltelefone und den Einzelhandel der Zukunft

Nach einem Vierteljahrhundert bei der ECE geben Sie Ihren Geschäftsführerposten ab. Wagen Sie einen kurzen Rückblick?

Ich fürchte, ich muss dazu mal ein Buch schreiben. Es ist nahezu unmöglich, diese Zeit in ein paar Sätzen zusammenzufassen, denn es gibt sehr viele, sehr schöne Erlebnisse, Anekdoten, Erfolge und Entwicklungen.

Da sind wir doch neugierig. Verraten Sie uns ein paar Anekdoten?

Als junger Leasing-Manager hatte ich mal eine Besprechung mit meinem damaligen Bereichsleiter, wie wir besser, schneller und effizienter werden könnten. Zu der Zeit gab es bereits die ersten Mobiltelefone, zugebenermaßen recht teuer und klobig. Wir fragten an, ob es nicht Sinn machen würde, Mobiltelefone anzuschaffen, da wir viel auf der Straße unterwegs waren und nicht immer auf die lästige Suche nach einer Telefonzelle gehen wollten. Die Antwort: „Lernt ihr jungen Leasing-Manager erstmal richtig vermieten, bevor ihr über solche Statussymbole nachdenkt!“ Angeschafft wurden die Mobiltelefone der zweiten Generation dann doch schon zwei Jahre später.

Gab es auch skurrile Momente?

Die skurrilste Begegnung hat sich zugetragen, als ich den damaligen CEO von Abercrombie&Fitch, Mike Jeffries, treffen durfte. Es war bereits Mitte November, es hatte geschneit und war kalt. Und dann kamen die in zerrissenen Jeans mit T-Shirts, Hemd und den berühmten Flip-Flops – natürlich ohne Socken – aus dem Privatflieger und sind mit mir über tief verschneite Parkplätze gelaufen.

Was war Ihr schönster Moment?

Der tollste Moment war sicherlich der erste direkte Mietvertrag mit Media-Saturn, damals für das LEO-Center in Leonberg. Daraus ist mittlerweile die wohl größte Mieter-Partnerschaft der ECE entstanden.

Hat sich das Vermietungsgeschäft in den letzten 25 Jahren stark verändert?

Es läuft heute sehr vieles anders – nicht nur technologisch, auch kommunikativ und verkäuferisch. Die Entscheidungs- und Überzeugungsprozesse haben sich an allen Orten verkompliziert und sind anstrengender. Früher waren wir einen Vermietermarkt gewohnt, seit einigen Jahren leben wir in einem klaren Mietermarkt. Zusätzlich haben sich die Lebenszyklen massiv verkürzt und der Zwang zu Neuerungen ist deutlich höher geworden.

Wenn Sie eine Prognose wagen sollen: Wie sieht der Einzelhandel in 25 Jahren aus?

Dann machen wir mal eine Reise nach Delphi: Mindestens 50% der uns bekannten Marken und Namen werden nicht mehr vorhanden sein. Handel wird immer weniger mit vorrätiger Ware zu tun haben, sondern nach den individuellen Bedürfnissen vor Ort produzieren. Handelsflächen sind Treffpunkte für eng bestimmte Communities, und es wird Produkte und Services geben, von denen wir heute nur zu träumen wagen. Eventuell gibt es keine Mauern und Wände mehr, sicherlich aber viel Technologieeinsatz. Spannend bleibt es in jedem Fall.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die Zukunft?

Weniger Arbeit, mehr Zeit für die Familie und meine Hobbies. Beruflich habe ich einen 100-Tage-Plan, das heißt, ich versuche statt 240 Tage im Jahr nur 100 zu arbeiten. Ich werde als selbstständiger Berater im Retail- und Real Estate-Bereich tätig sein und kann mich auch schon über den ersten Kunden freuen: die ECE! Irgendwie geht man halt niemals so ganz…

Klaus Striebich tritt Ende 2017 aus privaten Gründen von seiner Position als Geschäftsführer Vermietung der ECE zurück. Sein Nachfolger wird Steffen Friedlein, bisher als Senior Director Germany für die Vermietung der deutschen Center zuständig.