ECE-Retail-Newsletter, Februar 2018

"Unsere Daten intensiver nutzen"

Steffen Eric Friedlein, seit 1. Januar Managing Director Leasing, über neue Technologien und Abenteuer im afrikanischen Busch

Mit wie viel Pessimismus oder Optimismus sind Sie, angesichts des aktuellen Mietermarktes, in Ihre neue Position gestartet?

Bei allem Respekt vor den Herausforderungen auf dem Retail-Sektor: Für Pessimismus sehe ich wenig Anlass. Natürlich gibt es intensive Diskussionen um Konditionen, da einige unserer Partner sich ebenfalls an veränderte Marktbedingungen anpassen müssen – aber das war auch in der Vergangenheit schon öfter so. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit unseren Mietern an zukunftsfähigen Konzepten arbeiten, um noch besser auf die sich ständig ändernden Anforderungen unserer Kunden reagieren zu können. Eine gute Basis hierfür sind ein direkter Austausch und die gemeinsame Nutzung neuer Technologien, wie zum Beispiel unser Online-Umsatzmeldeportal, das einen schnellen Zugriff auf Umsätze und Frequenzen ermöglicht. Ein weiteres Beispiel ist die derzeit im Alstertal-Einkaufszentrum im Test befindliche „Digital Mall“, die für unsere Kunden die Vorteile des stationären, in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Handels mit den Vorteilen des Online-Handels verknüpft.

Welche Themen möchten Sie als erstes in Ihrer neuen Position anpacken?

Ich hatte das Glück, einen sehr erfolgreichen Vermietungsbereich von meinem Vorgänger, Klaus Striebich, übernehmen zu dürfen. Insofern besteht sicher nicht die Notwendigkeit, "das Ruder komplett herumzureißen". Aber wir tun gut daran, schnell und flexibel auf neue Entwicklungen zu reagieren. Wir haben deshalb zum 1. Januar die Position des Leasing Innovation Managers geschaffen, um gezielt nach neuen Konzepten – auch außerhalb der klassischen Shopping-Branchen – zu suchen. Außerdem wollen wir die Verfügbarkeit und Nutzung von Daten beschleunigen und intensivieren.

Kurz zu Ihrer Biografie: Sie stammen aus Stuttgart, waren Leiter Vermietung bei der Kriegbaum Unternehmensgruppe in Böblingen und sind 1999 als Leasing Manager zur ECE gekommen. Warum haben Sie damals gewechselt?

Mein damaliger Arbeitgeber, ein Familienunternehmen, war gerade von einem großen Konzern übernommen worden, was natürlich Änderungen bei der Firmenkultur und der Geschäftspolitik zur Folge hatte. Insofern stieß die damalige Ansprache durch Klaus Striebich, den ich bereits seit zehn Jahren kannte, bei mir auf großes Interesse. Der Wechsel zum Shopping-Center-Marktführer erschien mir damals als logischer Schritt. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, es seither keinen einzigen Tag bereut zu haben.

Gibt es denn etwas an Ihnen, das typisch schwäbisch ist?

Hm, vielleicht meine Vorliebe für einen leckeren dry-aged Rostbraten mit Spätzle. Am Wochenende, wenn ich in unserer kleinen Schwarzwald-Gemeinde zur Post oder zum Metzger gehe, kann ich durchaus auch wieder in den schwäbischen Dialekt verfallen... 

Was kennzeichnet Ihren Führungs- oder Verhandlungsstil?

Ich versuche stets sachlich zu bleiben und Verständnis für den Gesprächspartner zu entwickeln. Das hilft in den meisten Situationen, während Emotionen meistens eher wenig hilfreiche Reaktionen hervorrufen.

Shoppen Sie selbst gelegentlich online?

Ja, ich bekenne mich schuldig. Da ich größenmäßig ein ziemlicher Durchschnittstyp und noch dazu recht markentreu bin, ist es für mich sehr einfach, Anzüge, Hemden oder ähnliches auch mal online zu ordern. Von Einkaufserlebnis möchte ich in diesem Zusammenhang allerdings nicht sprechen. Für beratungsintensivere Produkte, bei der Suche nach Inspiration oder wenn ich etwas Neues ausprobieren möchte, bevorzuge ich immer den stationären Handel. 

Was tut die ECE, um ihre Shopping-Center gegen die zunehmende Online-Konkurrenz zu wappnen? 

Unsere Center haben den Anspruch, stets auf der Höhe der Zeit zu sein. Das fängt bei der Gestaltung an – die ECE investiert im Rahmen des „At Your Service“-Projektes massiv in die Steigerung der Aufenthaltsqualität und den Service für unsere Kunden – und hört bei der bereits erwähnten „Digital Mall“ noch lange nicht auf. Dass wir hier auf dem richtigen Weg sind, zeigen unsere weiterhin stabilen Frequenzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass beide Formen des Handels auch in Zukunft ihre Berechtigung haben und sich künftig nicht mehr scharf voneinander abgrenzen lassen.

Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Wohin verreisen Sie, wenn Sie mal einen Tapetenwechsel brauchen?

Meine Frau und ich teilen bei unseren Reisen eine Leidenschaft: Wir lieben Natur und Tiere, gerne beides auch ein bisschen wilder. Wir reisen deshalb bevorzugt auf eigene Faust mit dem Geländewagen in den afrikanischen Busch, so richtig mit Dachzelt, Lagerfeuer und abseits der Zivilisation. Dabei können wir hervorragend abschalten, denn plötzlich stehen ganz andere Themen im Vordergrund – etwa ob der Treibstoff- und Wasservorrat ausreicht.